Gerd van Benthum

Neuen Medien für die alte Sprache
Niederrhein-Nachrichten vom 16.10.1999

KELLEN. Wie – bitteschön - schreibt man "Rhein" auf Platt? Über diese Fragen können sich echte Mundartexperten stundenlang die Köpfe heißreden. Muß es "Rhinn", "Rinn" oder vielleicht "Rijn" (in Anlehnung an die niederländischen Nachbarn) heißen. In den zahlreichen Büchern und Broschüren "op Kleefs Platt" schreibt jeder der Autoren, wie er es für richtig hält ...und der geneigte Leser bleibt verwirrt zurück. Der Grund für diese Irritation: Platt ist eine gesprochene Sprache (inzwischen allerdings zunehmend selten) und keine geschriebene. Wer sich bei der Lektüre von "Döntjes" und Gedichten nicht immer wieder fragen will "Was meint der Schreiber dennjetzt wieder?", dem bietet sich nun eine Alternative Der Kellener Mundartexperte Gerd van Benthum (in Fachkreisen als echte PlattKapazität anerkannt) hat unter dem Titel "Öwer Land än Lüj" eine CD mit 26 Döntjes vorgelegt und so ganz nebenbei die neuen Medien für die alte Sprache entdeckt. Nach seinen drei Büchern ist der kleine "Silberling" die vierte plattdeutsche Publikation van Benthums. "Mir geht es um zweierlei", erzählt er im Gespräch mit den NN, "Einerseits will ich dazu beitragen, die niederrheinische Mundart der Nachwelt zu erhalten. Auf der anderen Seite möchte ich aber auch so genau wie möglich das Leben der Menschen in alter Zeit - vor allem in der Landwirtschaft - wiedergeben." Sprachliche Ungenauigkeiten kann van Benthum überhaupt nicht leiden. Wenn da etwa einer schreibt, die "Kue" hätten "in de Schüür" gestanden, dann packt ihn fast heiliger Zorn: ",Schüür' heißt Scheune - die Kühe standen aber ,op de Dääl'." Da ist van Benthum Purist! Das Material für die CD-Aufnahmen stammt zum Teil aus der langjährigen Vortragsarbeit des Kelleners: "Teilweise handelt es sich um Mitschnitten von Veranstaltungen", berichtet Edmund Zollna von der Mundart-Bürgerfunksendung "tösse sess an söwe", der für die Produktion verantwortlich zeichnet, "ein weiterer Teil ist im Laufe der Jahre in unseren Radiosendungen entstanden." Einige Geschichten ("zum Teil bisher unveröffentlich", wie van Benthum betont) sind ergänzend im Wohnzimmer des Autors eingespielt worden. Liebevoll sind die 26 Döntjes auf knapp 70 Minuten zusammengestellt - von "Adel het ok Plechte" bis "Ene'n Dag op denn Burenhof". In einem beigelegten Booklet, das eine Zeichnung von van Benthums Ehefrau Helga ziert, erklärt Zollna die Philosophie der Mundart-Arbeit. Die Zielgruppe für die CD ist den beiden Mundartspezialisten klar: "Mit Platt beschäftigen sich eher ältere Menschen. Und wenn die Sehkraft nachläßt, ist eine solche Aufnahme doch eine tolle Sache." Und wenn Gerd van Benthum das formuliert, dann hört sich das so an: "Wenn now noch nit wett, wat för Oma än Opa onder de Kristboom legge mot, denn es nit te hälpe." MICHAEL KERST

Inhalt CD

1 Adel het ok Plechte

14 So kan et ok Goan

2 Eikenbur än de Schiedsmann

15 Denn nejen Bauwmester

3 De Possbicht

16 Denn alden Schmed

4 Man mot sich te hälpe weete

17 Tante Amanda üt Kööle

5 De Lindewert hat selvere Brölft

18 Schlächt tuwgehört

6 Katte Liss

19 Host was et Pokk rechteg dod gewest

7 König Herodes

20 Jongesstreek

8 Heerome was va de Söck

21 Janbur

9 En gut Hoart hat hej

22 Denn Trauwdag kom korter

10 Gröttmoder hat en Idee

23 Et wette Kaninneke

11 Uw hit ek?

24 Die Weinprobe

12 Dores an Lambert op de Word

25 Dann könnt gej meer as ek

13 Fretz än Ziska

26 Enen Dag op denn Burenhof

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